Für das Kontaktformular steht keine Druckversion zur Verfügung!

ACK

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Lübeck

Aktuelle Meldungen

Ökumenischer Kreuzweg 2019

Erste Station an der Jakobikirche

Björn Engholm und Bürgermeister Jan Lindenau

Auf dem Weg von der Jakobikirche aus der Stadt heraus

Auf dem Weg von der Jakobikirche aus der Stadt heraus

Am Burgfeld - Gedenken an die Opfer des Todesmarsches 1945

Auf dem Jerusalemsberg

Auf dem Jerusalemsberg

(20.04.2019) 

Bei strahlendem Sonnenschein gingen am Karfreitag etwa 800 Menschen in ökumenischer Verbundenheit den “Lübecker Kreuzweg” von der Innenstadtkirche St. Jakobi bis zum Jerusalemsberg vor den Toren der Stadt. Unter dem Leitwort “Was die Welt zusammenhält” versuchten Vertreter aus den Kirchen, Politik und Gesellschaft wieder, den Leidensweg Jesu in das Hier und Jetzt zu übersetzen. Erstmal war mit Jan Lindenau auch der Lübecker Bürgermeister dabei.

Der katholische Erzbischof Stefan Heße erinnerte in seiner Ansprache an der ersten Station an den Brand an der Pariser Kathedrale Notre-Dame. "Die Nachricht von der brennenden Kathedrale hat viele Menschen bewegt und ein Gefühl der Verbundenheit erzeugt", so Heße. Für ihn sei das Hinweis darauf, dass Liebe und Mitgefühl die Welt zusammenhalte. "Was die Welt demgegenüber zerreißt, sind Hass und Gleichgültigkeit", mahnte er.

Von einer Station zu nächsten wird das Kreuz von Freiwilligen getragen, fast immer sind Kinder und Jugendliche dabei. Die Gläubigen folgen dem Kreuz teils schweigend, teils singend. Am Burgfeld erinnerte Propst Christoph Giering daran, dass an dieser Stelle 1945 einer der berüchtigten Todesmärsche vorbeikam, KZ-Häftlinge, die von der SS vor der heranrückenden Roten Armee vom KZ Fürstengrube bei Auschwitz gen Westen getrieben wurden. “Sah hier in Lübeck jemand in ihnen Menschen, sah jemand in ihnen Brüder?” fragt Giering und fährt fort “Als Todeskandidaten waren sie lebende Anklage und Mahnung: Schaut hin, dass ist es, was geschieht, wenn Menschen einander preisgeben, einander für untermenschlich ansehen”. Er erinnert an den Todesmarsch Jesu. Was 1945 die SS war, waren damals um das Jahr 33, die römischen Soldaten. Die dachten damals angesichts der Größe des römischen Imperiums vielleicht, dass sie es seien, die die die Welt zusammenhalten. Aber sie irrten sich genauso wie 1945 die Männer der SS - weder das römische Imperium noch das dritte Reich sind die Welt. Gewalt kann die Welt nicht zusammenhalten. Giering verwies auf die Menschen, die am Wegesrand des Kreuzweges Jesu standen und Zeichen der Menschlichkeit gaben, die weinenden Frauen, Veronika mit ihrem Schweißtuch, der Nordafrikaner Simon von Cyrene, der Jesus half, das Kreuz zu tragen, sie hätten sich nicht geirrt: “Es ist die Menschlichkeit, die praktische Zuwendung von Mensch zu Mensch, die unsere Welt im innersten zusammenhält.”

Auch Pröpstin Petra Kallies fragt, was eine Gesellschaft zusammenhält, gerade dann, wenn sie aus allen Fugen zu geraten scheint. Sie erinnert an das Attentat in Christchurch, wo ein Rechtsextremist auf fünfzig Männern, Frauen und Kindern in zwei Moscheen tötete. Doch das multiethnische Land lies sich dadurch nicht auseinanderdividieren, statt rassistischer Hassreden stand das Land in Mitgefühl und Trauer zusammen. Sie zitiert die neuseeländische Premierministerin: “Neuseeland ist ein Zuhause für alle, die unsere Werte teilen. Unsere Werte sind Vielfalt, Freundlichkeit, Güte und Mitgefühl”. Kallies hebt daraus das Wort “Freundlichkeit” hervor: “Wenn wir alle übten, freundlich miteinander umzugehen, dann ergeben sich die anderen Werte fast von selbst. Freundlichkeit ist mein Lebenswort für 2019 - damit unsere Gesellschaft zusammenhält.”

Ministerpräsident a.D. Björn Engholm weis auf den Schriftzug am Holstentor hin: CONCORDIA DOMI, FORIS PAX - Eintracht im Innern und Friede außen. Er erinnert an Willy Brand, der diesen Spruch gerne in internationalen Reden verwendet, aber immer hinzugefügt hat, dass Eintracht im Innern keine Zustandsbeschreibung, sondern eine dauerhafte Aufgabe für die Zukunft sei und ergänzt “Für den Frieden in der Welt können wir hier, die tausend, die wir hier zusammenstehen, nur bedingt etwas tun. Wir können vielleicht täglich beten, dass die Mächtigen dieser Erde zur Vernunft kommen. Aber zur Eintracht im Innern, zum Frieden innerhalb unserer Gesellschaft, können wir alle beitragen. Indem wir wir, die Alten, den Jungen helfen auf dem Weg in eine nicht immer einfache Zukunft. Indem vielleicht die Jungen uns Alten auch mal respektieren. Indem Männer und Frauen gleichberechtigt miteinander existieren. Indem die Gesunden den Kranken beiseite stehen und die Begüterten den weniger Begüterten. Und indem wir Einheimischen alle Neubürger freundlich auf- und annehmen. Kurzum, indem wir alle miteinander achtsam existieren. Es liegt an uns, den Christen vor allem, Eintracht täglich durch kleine Dinge zu praktizieren”. Eindringlich mahnt er, dass alle unter Gottes Himmel die gleiche Würde besitzen, wer immer sie sind und woher sie kommen und erinnert an Jesu Wort “Was ihr meinen Brüdern und Schwestern tut, das tut ihr mir.”

Auf dem Jerusalemsberg schildert die evangelische Bischöfin Fehrs, wie sie ein Bild aus der ausgebrannten Kathedrale Notre-Dame bewegt hat: “Am Altar sieht man die berühmte Pieta-Figur - ganz unversehrt - die Mutter Maria, wie sie ihren toten Sohn zärtlich in den Armen hält. Und direkt dadrüber, ebenso unversehrt und leuchtend in der Sonne das Kreuz. Es steht gerade und klar. Inmitten der Zerstörung steht das Kreuz gerade und klar. Inmitten aller Verstörung, aller Angst und Einsamkeit ist es das Kreuz, das Halt gibt, das Haltung zeigt. Es ist das Kreuz, das die Welt im Innersten zusammenhält”. Sie erinnert daran, dass die Debatten in Politik und Gesellschaft zunehmend von Angst geprägt sind, “Angst die ganze Nationen spalten kann. Aber Angst ist immer ein schlechter Ratgeber, die macht das Herz eng und lähmt das Denken. Allemal wenn sie geschürt wird von Populisten. Das Kreuz - mittendrin - weiß von Gewalt und Zertrennung. Doch es ist zugleich ein Zeichen, genau dagegen aufzubegehren. Denn die Enge der Angst hat Jesus ja Zeit seines Lebens mit Herzensweite überwunden. Er, der da am Kreuz starb, hat uns gelehrt, immer wieder mit dem Leben zu rechnen”. Sie weist darauf hin, dass genau das unsere Kraft als Christen ist: dass wir über das hinaus glauben können, was wir an Trümmern vor uns sehen und gegen alles vernünftig erwartbare Hoffnung haben können.

Mit dem Friedensgruß, dem Vaterunser in den Sprachen der anwesenden Gläubigen und dem Segen endet der Kreuzweg - und mit der Vorfreude auf das bevorstehende Osterfest.

Der Anfang der 1990er Jahre vom katholischen Propst Helmut Siepenkort wiederbelebte Lübecker Kreuzweg geht auf den Lübecker Kaufmann und Ratsherrn Hinrich Constin zurück. Er soll seine Frau geschlagen haben, die aus Gram darüber starb. Um Abbitte zu leisten, reiste er 1468 ins Heilige Land zum Grab Christi. In Jerusalem schritt er die Via Dolorosa ab, den Weg, den der verurteilte Christus mit dem Kreuz gehen musste. Zurückgekehrt verfügte er, dass der Weg in Lübeck nachgebaut werden sollte. In der Altstadt wurden sieben Kreuzwegstationen aufgestellt, von denen nur die erste und die letzte noch existieren. Die übrigen wurden im Laufe der Zeit entfernt, als der Kreuzweg nach der Reformation in Vergessenheit geriet.

Quelle: www.ack-luebeck.de