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ACK

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Lübeck

Nachrichtenarchiv

75 Jahre Lübecker Märtyrer

"Man muss Gott mehr gehorchen als den Menschen." Die Hinrichtung der Lübecker Märtyrer jährt sich zum 75. Mal.

(27.10.2018) 

„Transport- und Haftkosten für 531 Tage = 796,55 Reichsmark sowie Vollstreckungskosten = 122,00 Reichsmark. Zahlungspflichtig Frau Hildegard Stellbrink, Lübeck, Moislinger Allee 96“.

Fast 75 Jahre ist es her, dass die Witwe des evangelischen Pastors der Lutherkirche Karl Friedrich Stellbrink diese Rechnung erhielt. Aus Angst vor weiteren staatlichen Repressalien hat sie bezahlt.

Am 10. November 1943 war ihr Mann in Hamburg hingerichtet worden, gemeinsam mit den drei jungen katholischen Priestern der Lübecker Herz-Jesu-Kirche: Johannes Prassek, Hermann Lange und Eduard Müller. Offizieller Grund war „Wehrkraftzersetzung“. Sie hatten englische Rundfunksender gehört, in Gemeindeveranstaltungen und auch von der Kanzel das Unrecht des Nationalsozialismus beim Namen genannt.

Die Vier blieben standhaft

Gnadengesuche der Kirchenleitungen wurden von Hitler persönlich abgelehnt, denn es sollte jedem Pastor und jedem Pfarrer in Deutschland klar gemacht werden, dass Opposition einen unweigerlich das Leben kosten würde. Die Vier blieben standhaft; sie ließen ihr Leben unter dem Fallbeil. Innerhalb einer halben Stunde floss ihr Blut ineinander.

Dieser konfessionsübergreifende Widerstand gegen das NS-Regime war einzigartig. „Wir waren wie Brüder“ schrieb Kaplan Lange über die langen Haftmonate, die er mit Pastor Stellbrink in einer Zelle verbrachte.

Gedenken der vier Glaubenszeugen

Gleich nach dem Krieg begannen Mitglieder der katholischen Kirche, dieser vier Glaubenszeugen (Märtyrer) zu gedenken, wobei sie den evangelischen Pastor von Anfang an mit einbezogen. Seit 1945 findet am 10. November in der Herz-Jesu-Kirche eine Gedenkmesse statt. Ein regelmäßiges Gedenken in der evangelischen Kirche setzte erst in den 80er Jahren ein. Denn der ermordete Karl Friedrich Stellbrink war in seiner Kirche ein Außenseiter. Weder die Hitler-treuen „Deutschen Christen“ noch die Pastoren der „Bekennenden Kirche“ vertrauten ihm. Das lag daran, dass er zunächst selbst überzeugter Nationalsozialist war. Nachdem er sich aber zum Gegner des Systems gewandelt hatte, erschien er seinen Amtskollegen zu radikal, zu kompromisslos, zu leidenschaftlich, zu unvorsichtig. Es brauchte eine andere, unvorbelastete Generation, um den wahrheitsliebenden Pastor in seiner Ambivalenz auszuhalten und wertzuschätzen.

2011 wurden die drei Kapläne vom Papst seliggesprochen; Pastor Stellbrinks wird in der katholischen Kirche ehrend gedacht.

Gedenken am Ort, auf dem Weg und im Gottesdienst

Wer mehr über diese vier mutigen Männer erfahren möchte, besucht die „Gedenkstätte Lübecker Märtyrer“ in der Parade 4 (www.luebeckermaertyrer.de) oder die „Gedenkstätte Lutherkirche“ in der Moislinger Allee 96 (www.gedenkstaette-lutherkirche.de). Ein „Gedenkweg“ verbindet die Orte ihres Lebens und Wirkens in Lübeck.

Zum Gedenken an den 75. Todestag laden die Kirchen ein zum Gottesdienst: am Sonntag, 4. November 2018 um 11 Uhr in der Lutherkirche mit Bischöfin Fehrs und am Samstag, 10. November 2018 um 18 Uhr in der Herz-Jesu-Kirche mit Erzbischof Heße.

Quelle: www.ack-luebeck.de