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Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Lübeck

Nachrichtenarchiv

Wort zur Weihnacht

Der Bahnhof als weihnachtlicher Ort, an dem Welten aufeinanderprallen.

(24.12.2018) 

Im Lübecker Bahnhof ist ein Kommen und Gehen. Ein Bahnhof ist der Inbegriff von Wechsel, von Veränderung, von Aufbruch und Ankunft. Wenn wir hierher kommen, wollen wir i.d.R. entweder irgendwohin aufbrechen oder wir kommen an. Zwischendrin immer wieder die kleinen Momente der Reiseunterbrechung, des geplanten oder ungeplanten Wartens.

 

 

 

Der Bahnhof – ein weihnachtlicher Ort

Wenn man an einen Bahnhof denkt, dann kommt einem viel in den Sinn aber wahrscheinlich nicht Weihnachten. Ich fand Bahnhöfe bislang immer relativ schrecklich; umtriebig, hektisch, stressig und nicht besonders sauber. Sie sind oft kalt und zügig, also keine Orte an denen man länger sein möchte als es unbedingt notwendig ist. Meine bisherige Devise daher: Schnell hin, in den Zug und weg! Ätzend, wenn die Bahn dann mal wieder nicht mitspielt. Doch seit ein paar Jahren beginnt sich mein Bild des Bahnhofs zu wandeln. Ich würde ihn sogar mittlerweile als einen weihnachtlichen Ort bezeichnen.

Weshalb? - Weil im Bahnhof Welten aufeinanderprallen!

Dazu drei Gedanken:

  1. Im Bahnhof treffen ganz verschiedene Welten aufeinander. Schauen Sie sich das nächste Mal einfach einen Moment um. Wer ist außer Ihnen noch hier? Reisende, Menschen, die an diesem Ort arbeiten, Bettler, Dealer und Süchtige, manchmal die Zeugen Jehovas, sicher auch Atheisten, Muslime und Juden, Männer, Frauen, Kinder, der Mann, dessen Frau vergangene Woche verstorben ist und die alleinerziehende Mutter, die sich darum sorgt, wo sie das Geld hernehmen soll, um die Weihnachtswünsche ihrer Kinder zu erfüllen. Manches ist offensichtlich, manches verborgen. Jeder, der dort ist, hat eine eigene, sehr persönliche Welt. Diese Welten berühren sich an diesem besonderen Ort ganz punktuell und kurz.

  2. Im Bahnhof gibt es zwei große Parallelwelten - eine beständige, „dauerhafte“ Welt und eine bewegliche, „wechselhafte“. Es gibt Menschen, die sind jeden Tag dort. Sie arbeiten bspw. bei McDonalds, im Blumenladen, am Schalter oder bei Ditsch. Dieser Ort macht einen großen Teil ihres Lebens aus. Sie geben diesem Ort in gewisser Weise auch ein Gesicht. Und es gibt Menschen, die sind hier nur ganz kurz auf der Durchreise, bleiben anonym. Es sind die Aspekte von Dauer und Wechsel, Nähe und Distanz, Identifizierbarkeit und Anonymität, die meine Gottesbegegnung und auch meine Bewegung auf Weihnachten hin ausmachen.

  3. Und nichtzuletzt: Wer zum Bahnhof kommt und nicht hier arbeitet oder Drogen vertickt, sondern den Bahnhof als Haltestelle nutzt, der will entweder losfahren, er setzt sich in Bewegung auf ein Ziel hin, oder er ist gerade im Begriff anzukommen. Im Zusammenkommen von Aufbruch des Menschen und Ankunft Gottes besteht das Wunder der Weihnacht! Es ist diese Bewegung von zwei Seiten, Bewegung des Menschen auf Gott hin und Bewegung Gottes auf den Menschen zu, die in der Krippe an Weihnachten ihren Höhepunkt findet!

Quelle: www.ack-luebeck.de