Für das Kontaktformular steht keine Druckversion zur Verfügung!

ACK

Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen in Lübeck

Nachrichtenarchiv

Gedenken an die Opfer des Nationalsozialismus

Angesichts der Unermesslichkeit des Grauens gilt es immer wieder neu Worte zu finden, die das Unbeschreibbare beschreibar machen in einer Zeit, in der der Antisemitismus, den wir überwunden glaubten, längst wieder offen zu Tage tritt.

(03.02.2019) 

Am 27. Januar vor 74 Jahren befreiten Soldaten der sowjetischen Armee das Vernichtungslager Auschwitz. Daran erinnert die Arbeitsgemeinschaft christlicher Kirchen normalerweise mit einem ökumenischen Gottesdienst unter Beteiligung der liberalen jüdischen Gemeinde Lübeck im Dom. In diesem Jahr wurde der Gottesdienst als evangelischer Sonntagsgottesdienst gefeiert, da die Vertreter der anderen Kirchen und der jüdischen Gemeinde leider verhindert waren.

Gleich am Anfang des Gottesdienstes stand dennoch das Gebet zum Gedenken an die Opfer der Scho’a, welches diesmal von Dompastorin Wegner und Bischöfin Fehrs im Wechsel gebetet wurde.

In ihrer Predigt erinnert die Bischöfin daran, dass gerade auch die Protestanten sich im nationalsozialistischen Deutschland haben verführen lassen, dass damals die “Deutschen Christen” in der evangelischen Landeskirche in Lübeck die Macht und ihren Anteil an der Deportation vieler jüdischer Mitbürger hatte. Doch noch lange nach dem Ende der Nazizeit war es verpönt, die Schuld zu thematisieren. Erst im Januar 1979, ausgelöst durch die amerikanische Fernsehserie “Holocaust” habe sich das geändert. Sie führte dazu, dass sich Millionen von Menschen erstmals mit dem beschäftigten, was damals geschehen war.

Doch Erinnerung ist nicht nur Totengedenken. Angesichts der Unermesslichkeit des Grauens gilt es immer wieder neu Worte zu finden, die das Unbeschreibbare beschreibar machen in einer Zeit, in der der Antisemitismus, den wir überwunden glaubten, längst wieder offen zu Tage tritt. Dass jüdische Menschen, auch Kinder, angegriffen, bespuckt und erniedrigt werden. Auf diesen Antisemitismus müssen wir ein Auge werfen und ihm mit unserem heutigen geschichtliche Wissen entgegenstehen. "Sch’ma, deutsches Volk. Hört doch auch den lautlosen Schrei, hört doch, dass es nie wieder sei wie damals.”

 

Gott, Quelle des Friedens,
sei mit denen, die die Geschicke der Welt lenken,
damit Stolz und Prahlerei ein Ende nehmen
und die Herrschaft der Arroganz aus unserer Zeit verschwindet.
Gib allen Menschen guten Willens den Mut, die Wahrheit zu sagen,
und die Demut, anderen zuhören zu können.
Hilf allen von uns, den eigenen Beitrag zur Verständigung
und das eigene Opfer für den Frieden zu geben,
damit wir in Frieden mit uns selbst und mit unseren Mitmenschen leben.
Dann können wir in Gelassenheit beginnen,
dein Reich in dieser Welt zu bauen,
bis die Erde erfüllt ist von der Erkenntnis Gottes,
wie das Meer mit Wasser gefüllt ist.

(Aus dem Fürbittgebet)

Quelle: www.ack-luebeck.de